Cholesterin

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autoren (Andreas Arnold, www.herkules-online.de)

Cholesterin ist eines von mehreren Fetten, die in unserem Blut vorkommen. Es wird zum größten Teil von unserem Körper selbst aufgebaut, aber auch mit Nahrungsmitteln aufgenommen. Cholesterin ist ein wichtiger Baustein für unsere Körperzellen. Es dient zum Aufbau von Hormonen und besonders der Gallensäure und trägt somit zum Funktionieren unserer Verdauung bei.

Cholesterin wird in mg/dl gemessen. Die Erstbestimmung kann durch Fingerblut erfolgen.
Folgende Werte sind international anerkannt:

Sollwert unter 200 mg/dl
Vorsorgebereich
(grenzwertig erhöht) 200-250 mg/dl
Risikobereich über 250 mg/dl

Für das Entstehen einer koronaren Herzkrankheit ist "erhöhter Cholesterinspiegel" ein bedeutender, aber nicht der einzige Risikofaktor. Wichtige zusätzliche Risikofaktoren sind auch: HDL - Cholesterin unter 35 mg/dl, Bluthochdruck, Diabetes, Zigarettenrauchen, Übergewicht, familiäre Vorbelastung.

Bei einem zu hohen Cholesterinspiegel ist die Gefahr, Gallensteine zu bekommen, ebenfalls stark erhöht.

Allerdings sagt dieser Wert alleine nichts über das individuelle Risiko aus. Dafür ist eine Untersuchung der verschiedenen Fette im Blut notwendig.

Im Blut werden Triglyceride und Cholesterin innerhalb von Fett-Eiweiß-Komplexen (Lipoproteinen) transportiert. Es gibt im Blut vier verschiedene Lipoproteine (Chylomikronen, VLDL, LDL, HDL), die im Hinblick auf ihre Cholesterin-, Triglycerid- und Eiweißgehalte unterschiedlich zusammengesetzt sind.

Man unterscheidet daher zwischen Gesamtcholesterin, Triglyceride, HDL (High-Density-Lipoprotein) und LDL (Low-Density-Lipoprotein).

Eine bestimmte Menge dieser Blutfette muß stets vorhanden sein, damit der Organismus arbeiten kann. Das Cholesterin wird als Ausgangssubstanz für die körpereigene Produktion von Vitamin D, verschiedener Hormone und auch zum Aufbau der Zellwände tagtäglich benötigt. Die Triglyceride dienen einerseits der Energiegewinnung, andererseits gelten sie als einer der wesentlichen Faktoren bei der Entstehung von Herz-Kreislauf Krankheiten. LDL und HDL transportieren das Cholsterin im Körper, wobei das LDL das Cholesterin zu den Zellen, das HDL aber das Cholesterin aus den Zellen weg zur Leber bringt. Deshalb spricht man bei HDL auch vom "guten Cholesterin", da es indirekt den Abbau fördert.

Förderlich für die Senkung des Gesamtcholesterin ist ebenfalls die Ergänzung der Ernährung durch frischen Knoblauch aber auch durch Knoblauchpulver oder Tabletten.

Schon lange wird dem Knoblauch nachgesagt, daß er nicht nur bei Bluthochdruck regulierend eingreift, sondern außerdem auch in der Lage ist einen erhöhten Cholesterinspiegel zur Norm hin abzusenken. Dabei war allerdings unklar, ob Knoblauch lediglich die Aufnahme von Nahrungscholesterins behindert, oder eher die körpereigene Synthese dieses Blutfetts blockiert.

Jetzt konnte eine Arbeitsgruppe am Physiologisch-Chemischen Institut der Universität Tübingen und der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Braunschweig, erste wissenschaftliche Beweise dafür vorlegen, daß bestimmte schwefelhaltige Inhaltsstoffe des Knoblauchs - insbesondere Allicin und Ajoene - in der Lage sind, in bestimmten Leberzellen die Biosynthese von Cholesterin zu beeinflussen.

Dabei greifen diese beiden Wirkstoffe an verschiedenen Stellen in die komplexen chemischen Stoffwechselvorgänge ein und blockieren so die Entstehung von Cholesterin.

Eine fett- und cholesterinarme Ernährung beugt zwar der Verhärtung von Blutgefäßen vor, scheint jedoch für die Psyche unangenehme Nebenwirkungen zu haben. Zumindest steigert sie, so fand ein amerikanisches Forscher-Team heraus, bei Affen aggressives Verhalten. Schon vor Jahren hatten Wissenschaftler beobachtet, daß Personen mit einem Hang zur Gewalttätigkeit niedrige Cholesterinspiegel aufweisen - etwa Mörder, die unter Einfluß von Alkohol die Kontrolle verlieren, und Jugendliche mit aggressiven Verhaltensstörungen.

Unklar blieb jedoch, ob es sich dabei lediglich um einen statistischen Zusammenhang handelt oder ob die Ernährungsweise die Ursache des aggressiven Verhaltens sein könnte. Deshalb haben Jay R. Kaplan und seine Kollegen einer Gruppe von 15 männlichen Makaken rund zwei Jahre lang eine Diät mit reichlich Fett und Cholesterin verabreicht, einer zweiten Gruppe hingegen eine fett- und cholesterinarme Kost verordnet. Die Tiere mit der saturierten Diät erhielten 42 Prozent des täglichen Kalorienkonsums in Form von zumeist gesättigten Fetten, was einem Cholesterin-Gehalt von 0,34 Milligramm pro Kalorie und damit der früheren fettreichen, inzwischen als ungesund erkannten Ernährungsweise der Amerikaner entspricht. In der Vergleichsgruppe wurden nur 30 Prozent der verzehrten Energie - durch meist ungesättigte - Fette abgedeckt. Daraus folgt eine Cholesterin-Aufnahme von nur 0,05 Milligramm pro Kalorie, was mit den einschlägigen medizinischen Empfehlungen übereinstimmt. Bei den fettreich ernährten Versuchstieren wurden bald mehr Cholesterin und weniger "gesunde" High-Density-Lipoproteine im Blut registriert als bei den Affen der anderen Gruppe.

Zudem hatten diese am Ende des Experimentes mit arteriosklerotisch verhärteten Gefäßen zu kämpfen. Aber auch die "Light-Diät" hatte Folgen: Die fettarm ernährten Makaken rückten ihren Artgenossen öfter aggressiv auf die Pelle: Neun der zehn größten Raufbolde, die in jeder Stunde mindestens einen Streit vom Zaun brachen, gehörten zur Anti-Cholesterin-Fraktion. Am Anfang gingen lediglich die in der Gruppe dominanten Schonkostler die Wände hoch; später begannen auch die unterwürfigen Affen häufiger zu zanken. Größerer Hunger, meinen die Forscher, kann die Streitlust der fettarm ernährten Tiere nicht ausgelöst haben: Beide Affengruppen nahmen die gleichen Mengen Kalorien zu sich. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Arterienverhärtung die Tiere mit der fetten Diät friedfertig gemacht hat. Sie waren bereits sanftmütiger, als sie noch keine Probleme mit ihren Gefäßen hatten. Die Indizien lassen eher vermuten, dass Cholesterin im Gehirn wirkt. Im Nervensystem aggressiver Menschen - und von Selbstmördern - sind nämlich verringerte Konzentrationen des Botenstoffes Serotonin nachweisbar, der unter anderem hemmenden Einfluß auf impulsive Handlungen haben soll. Auch bei Affen, die sich mit einer cholesterinarmen Kost begnügen müssen, ist weniger Serotonin im Hirn festzustellen. Falls ein solcher Zusammenhang tatsächlich besteht, dann könnte er - nach dem umgekehrten Motto: viel Cholesterin macht sanft - womöglich das Bild von den gemütlichen, friedfertigen Dicken wissenschaftlich erklären.

Quellen:
GEO 04/92 (S. 170)
Matthias Heinz, Institut für Biostatistik und Dokumentation an der Universität Innsbruck
Biochimica et Biophysica Acta, 1213 (1994) 57-62, Verlag Elsevier
Ärzte Zeitung, 13.11.1998